Splinter Cell Conviction Test (PC)
Nach zahlreichen Verschiebungen erwartet uns nun doch noch Sam Fishers nächster Einsatz. Wieder einmal übernehmen wir die Rolle des mittlerweile untergetauchten Geheimagenten, welcher nach seiner letzten Mission in Splinter Cell: Double Agent von der Regierung gejagt wird. Schon beim vorherigen Teil gab es einige Änderungen am Gameplay, was bei Fans nicht gerade auf Begeisterung stieß. Und so viel schonmal vorweg: mit Conviction präsentiert uns Ubisoft einen Action-Thriller, der die Serie nun komplett umkrempelt und wieder frischen Wind ins Franchise bringen soll.
Die Story knüpft nahtlos an den Vorgänger an, nun erfährt Sam, dass der Tod seiner Tochter kein unfall war und versucht - diesmal ohne Hilfe der Regierung - den Mörder ausfindig zu machen. Dabei bekommt er direkt in der ersten Mission unerwartete Hilfe von Grim, die Sam schließlich noch für eine heikle Angelegenheit braucht, welche mit seinem begonnenen Rachefeldzug eng verknüpft ist.
Bereits die Inszenierung hebt sich von den bisherigen Teilen ab. Zwischensequenzen werden mit rasanten Kamerafahrten begleitet, die dem Spieler ein Mittendringefühl vermitteln. Auch am HUD Display hat sich einiges verändert - wie bei Double Agent fehlt die klassische Sichtbarkeitsleiste aus den Vorgängern. Nun verblasst das Spiel aber in eine schwarz-weiß Optik, wenn Sam in einen dunklen Bereich vorstößt. Detailveränderungen zeigen sich auch in den Missionszielen, die nun hübsch präsentiert wie auf einer Leinwand an Gebäuden erscheinen.
Splinter Cell Conviction stellt jedoch in Sachen Gameplay einen kompletten Neustart der Serie dar. Wo damals noch subtiles Vorgehen und Unauffälligkeit oberste Priorität hatten, begegnet uns hier brachiale Action im Stil von “Die Bourne Identität” oder “Twenty Four”. Mit spektakulären Nahkämpfen und Finishern, die klasse und butterweich animiert sind, entledigt sich Sam seinen Gegnern, womit Conviction den mit Abstand brutalsten Teil der Serie darstellt. Obwohl es immer mehrere Wege gibt, beispielsweise ein Gebäude zu infiltrieren, kommt man meist nicht ohne den Einsatz der Brechstange aus. Für Fans eigentlich ein echtes Sakrileg. Und zugegeben - so spektakulär die auch Kämpfe sind: das Spiel ist stellenweise viel zu einfach.
Ubisofts frisches Konzept geht in vielerlei Hinsicht auf. Die intensivere und schnellere Inszenierung passt total auf Sams Motiv nach Vergeltung. Und generell gehört die Story zu den besten aus der Reihe, nie bekamen wir tiefere Einblicke in Sams Charakter, nie wurde der Handlungsablauf so packend und schlüssig präsentiert. Doch wo die Entwickler sich in diesem Bereich mehr Mühe denn je gegeben haben, vernachlässigen sie die Tugenden eines Splinter Cells: und zwar nicht unbedingt das unauffällige Vorgehen, sondern den spielerischen Anspruch.
Zwar steckt Sam auf den höheren Schwierigkeitsgraden auch nicht viel mehr ein als in den früheren Teilen, teilt dafür aber unglaublich aus. Dies liegt an der neuen “Mark & Execute” Funktion, Gegner werden also per Knopfdruck markiert und anschließend automatisch (!) niedergeschossen. Obwohl zur Benutzung erst einige Stealth-Kills vonnöten sind, erweist sich die Methode als viel zu mächtig. Und egal, welchen Weg man zum Ziel einschlägt: es läuft alles nach dem gleichen Schema ab. An sonstigen Funktionen und Equipment mangelt es bis zum Finale - letzteres ist immerhin noch logisch, da Sam seine Ausrüstung nicht mehr von Third Echelon bezieht. Allerdings werden auch keine Schlösser mehr geknackt, keine Computer gehackt, lediglich eine handvoll zum Einsatz kommende Minispiele wie das Benutzen einer Überwachungskamera zum Beschatten einer Person heben sich von dem redundanten Spielverlauf ab.



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