OMSI Test (PC)
In Zeiten des Mainstreams und der boomenden Spieleindustrie erhalten Independent-Titel zusehens mehr Aufmerksamkeit und erobern das Herz der Gamer. Wir stellen heute mal einen dieser Titel vor: OMSI. Damit ist natürlich nicht das “Oregon Museum of Science and Industry” gemeint, sondern der brandneue Omnibus-Simulator. Nach vier Jahren Entwicklungszeit ist das Projekt zweier Studenten nun fertig. Versprochen wurde realistischer und intelligenter Straßenverkehr sowie detaillierte Landschaftsdarstellung im 1989 angesiedelten Berlin Spandau. Grund genug mal einen genaueren Blick drauf zu werfen.
Das erste Stirnrunzeln setzte ein als ich den Simulator zum ersten Mal starte. Da erscheint nicht etwa ein Hauptmenü, vielmehr ploppt ein kleines Konfigurationsfenster auf. Aber na gut, Grafik, Sound, Steuerung lassen sich prima und ausführlich einstellen, auch eine Lenkradunterstützung ist implementiert, was natürlich Pflicht ist. Danach geht es zurück ins Jahr 1989, kurz vor der Wende sozusagen. Diese erlebte ich persönlich auch gleich nach meiner anfänglichen Skepsis, als die recht lange Ladezeit vorüber war. Denn das Leveldesign kann grundsätzlich - auch wenn ich Berlin Spandau nicht kenne - als vortrefflich bezeichnet werden, da die Infrastruktur nicht wie dahingekleckert wirkt, sondern eine authentische Stadtkulisse zum Vorschein kommt. Geschockt ist man höchstens von der grafischen Qualität, denn diese erreicht mit matschigen Texturen und schlechter Beleuchtung leider nur das Niveau von vor 10 (immerhin nicht zwanzig
) Jahren.
Auch die Modellierung der Busse ist gelungen, hier punktet OMSI und überzeugt auf ganzer Linie. Die beigen Doppeldecker sind sowohl von außen als auch von innen gut nachempfunden. Sobald man sich das erste mal in in den Fahrersessel schwingt, kann man nur über den Detailgrad des Amaturenbretts staunen. Und was noch besser ist - ich kann so gut wie alle Knöpfe mit der Maus oder der Tastatur bedienen: vom Anlasser bis zum Heizlüfter. Jede Funktion kann mit einem Knopf auf der Tastatur bzw. auch auf dem Lenkrad belegt werden, alles ist individuell belegbar. Einziger Abstrich: zum Umsehen muss man die mittlere Maustaste gedrückt halten, ohne wäre es komfortabler.
Astragons Bus Simulator oder der City Bus Simulator patzte in all diesen Kategorien und bot kein echtes Fahrerlebnis. OMSI macht es auf jeden Fall einige Schritte besser. Je nach Bustyp klingt der Motor anders, und beim Handling merkt man, dass man da ein schweres Gefährt und keinen Rennboliden steuert. Der Spieler kann selber Uhrzeit und Datum umstellen und sich nach Belieben einen Fahrplan heraussuchen, hierzu sollte man den mitgelieferten Umlaufplan im PDF-Format genauer studieren. Denn es müssen auch manuell Einstellungen wie die Matrix-Anzeige des Busses vorgenommen werden, damit die Passagiere wissen, mit welcher Linie sie fahren. Die Menschen wurden mit ausreichend Sprachsamples ausgestattet, verlangen nach verschiedenen Arten von Tickets, geben nicht immer passend raus und beschweren sich auch mal, wenn der Bus mal wieder zu spät ist oder der Fahrstil nicht gefällt. Hier bietet OMSI alles, was man von einer Simulation erwartet.



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